BUCON 2017

"Die Erwachsenen sind alle in Frankfurt!" (Verleger des Leseratten Verlag)

Treffe gegen 11 Uhr ein und werde sofort von dieser quirligen, herzlichen Atmosphäre absorbiert. Es ist sehr voll, die Leute drängen sich in den Gängen und die Lautstärke ist im oberen Bereich. Ich bin dieses Mal nicht gewandet gekommen und bereue es sogleich beim Anblick der fantasievollen Outfits.

 

Am Eingang bekomme ich die übliche, fette Leseproben-, Werbungs-, Verlagsankündigungstüte überreicht und diesmal auch ein schön gestaltetes Programmheft. Die Besucher dürfen zum ersten Mal Bullshit-Bingo spielen und sich aus einer Reihe von Wahrscheinlichkeiten wie "Tommy Krappweis ist da" und "Mann, ist es hier drinne warm!" die ihrer Meinung nach zutreffendsten aussuchen.

 

Ich suche mir aus dem Programm eine Lesung des Leseratten Verlags aus, die lustige Fantasy bis High Fantasy veröffentlichen. Ich erfahre neues aus der Piratenwelt ("Manchmal ist der Tode die einzige mögliche Variante von Freiheit") und gewinne Einblicke in das Raumschiff Fe estur, dass außer zwei seiner Buchstaben im Namen auch noch den kompletten Verstand der Mannschaft verloren zu haben scheint. Sehr amüsant!

 

Leider habe ich die Lesung von Bernar LeStone verpeilt. Der Mann weiß Abhilfe und bietet mir eine Privatlesung seiner neu veröffentlichten Kurzgeschichte gegen eine Tasse Tee an. Da sage ich gewiss nicht nein! Wir machen es uns bei strahlendem Sonnenschein draußen auf einer Bank gemütlich, als ein junger Mann vorbei kommt, dessen Äußeres von "Superfinsterling" bis "möcht ich nicht in einer dunklen Gasse begegnen" alle Vorurteile in Gang setzt. Don't judge a book by it's cover! Er bittet Herr LeStone um einen Eintrag in sein Poesiealbum (!), holt aus seinem Armyrucksack eine rosa Glitzer-Einhorn-Brotdose und schaut, vergnügt ein Butterbrot mampfend, Bernar beim Schreiben zu.

 

Für mich ist das Schönste an der Bucon, dass man mit jedem ganz leicht ins Gespräch kommt. Warum allerdings die Phantastik-Buchpreise seit zwei Jahren auf einer anderen Veranstaltung verliehen werden,  habe ich nicht herausgefunden. Ich fahre vergnügt nach Hause und fühlte mich wie ein Pirat, der seine Schätze in Sicherheit bringt. Bis nächstes Jahr!

Ode an Kim Skott

 

 

 

Abschnitte, die ins Leere führen,

kann Kim gnadenlos aufspüren.

Kleine Hänger in dem Plott

schlägst du erbarmungslos tot.

 

Dir ist jedes Mittel recht,

zerpflückst Kapitel, wenn sie schlecht.

Du zerstörst all meine Szenen,

ach, was fließen mir die Tränen.

(aber erst, wenn ich wieder zu Hause bin!)

 

Im Text vorgreifen tu ich immer

nur die Enden sind noch schlimmer.

Widersprüchen bei den Figuren

verpasst du Entschlackungskuren.

 

Kims Rezi zwingt mich, dran zu bleiben,

ich kann immer besser schreiben.

Ändere Stellen ganz geschwind,

die mir früher nie aufgefallen sind ...

 

Deine Kritik haut mich vom Hocker,

die Kapitel fließen locker.

Meine Texte sind gerafft

und die Szenen stark gestrafft.

 

Hätt' ich deine Rezi nicht,

wär'n meine Zeilen ohne Licht,

meine Sätze schwer wie Blei,

jeder Absatz Einheitsbrei.

 

Alles ist mit Rotstift voll,

deine Arbeit, Kim, ist toll,

und auch wenn ich etwas läster,

ich bin heilfroh über dich, meine Schreibschwester!

(Und Danke auch noch für das süße Schweinhorn!.)

 

 

7 Autoren 7 Kräuter und viel Spaß

Es gab Geschichten über die ersten Marsianer, die Petersilie entdecken.

Ein Schiff, dass ohne Sauerampfer zum Sinken verurteilt war.

Zwei Waschbären und ein blaues Sternenkraut. Aschenputtel und der Kerbelzwerg.

Dr. Who, ein T-Shirt und Kresse.

Ein ungezogenes Fräulein Pimpernell. Schnittlauch und die große Liebe.

Im vollen Lokal der Grünen Soße lasen wir vor einem tollen Publikum. Danke an Meddi Müller von der ARS Autorengruppe für die Moderation. Und Danke an Kai Abicht und sein Servicepersonal für die reibungslose, kulinarische Leistung.

Hier ein Auszug aus meiner Kresse-Geschichte:

 Wie immer hat Laura alles voll im Griff“, sagte eine dunkle Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Ein winterweißer, schwerer Mann mit einem Dr. Who-Aufdruck meines Lieblingsdoktors auf dem Shirt sah an mir vorbei in den Garten.

Ich bin Norbert, Lauras Mann“, sagte er, ohne mir die Hand zu geben. „Der Matrose da unten ist deiner?“

 Ich grinste. Bei seiner unkonventionellen Art fühlte ich mich sofort wohl.

 Wie hat er es geschafft, dich rumzukriegen?“

 Kresse“, sagte ich.

 


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