Bücher im Januar 2017

Schicksal von S.G. Browne war ein Weihnachtsgeschenk und ein witziges noch dazu. Wenn ihr euch schon immer gefragt habt, was den Unterschied zwischen Schicksal, Karma und Bestimmung macht: voilà. Wobei es Ironie ist, dass auch das Schicksal in Gestalt eines sehr repräsentablen Menschenanzugs seinem Schicksal nicht entkommen kann. Aber mit dem Ende hat keiner gerechnet!

 

Amanda Palmer's The Art of Asking ist auf deutsch geschrieben und gibt einen Einblick in das Leben und Werk der Sängerin. Sie sammelte mit einer Kickstarterkampagne für ihr neues Album über 1 Million in vier Wochen und erklärt hier, wie und wieso sie das geschafft hat. Der Inhalt des Buches hat mich oft direkt in die 80er Jahre zurück katapultiert, als die Gemeinschaft noch mehr zählte als das egozentrische Individuum, dem mittlerweile so viele TV-Shows huldigen. 

 

 


Siri Hustvedt Was ich liebte bekommt ein LB für Lieblingsbuch. Meine Lieblingsbücher lese ich immer mal wieder und entdecke mit großer Freude stets etwas Neues. Die Geschichte handelt von zwei New Yorker Künstlerfamilien, ihre Ideale und ihren Aufstieg in der Kunst- und Literaturszene. Und davon, wie ein tragischer Unfall alle auseinanderreißt und das Leben jedes Einzelnen beinahe zerstört.

 

Ulla Hahn Das verborgene Wort musste ich leider abbrechen, da ich es nicht ertragen kann, größere Passagen in einem Dialekt lesen zu müssen, den ich kaum verstehe. Schade. Es soll gut sein.

 

Obwohl es erst Januar ist, wage ich die Vermutung, dass ich mit Jeannette Walls Schloss aus Glas mein Buch des Jahres bereits gefunden habe. Ein neues LB wird es auf jeden Fall. Die Autorin beschreibt ihre Kindheit in einer White-trash-Familie in Amerika, deren verrückte Improvisationen sich mehr und mehr in einen gefährlichen Alptraum aus Hunger und Dreck verwandeln. Dabei verliert Jeannette Walls nie die Perspektive des Kindes, aus der sie schreibt und mit welch anderem Blick die Jugendliche, zu der sie wird, auf diese Art zu leben schaut. Sehr ergreifend und berührend!

 


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Buchmesse Convent 2016 in Dreieich

Bereits beim Betreten der BuCon wurde ich zum Lachen gebracht durch die fantasievolle Gestaltung des Eintrittsplakats. Die Fantastikbuchmesse ist längst kein Geheimtipp mehr, aber weiterhin eine Möglichkeit für kleine Verlage, ihre Bücher zu präsentieren. Es ist gemütlich und heimelig, Verleger und Autoren nehmen sich jede Menge Zeit für Gespräche und Empfehlungen. In sieben Locations gibt es von 11-18 Uhr Vorträge, Lesungen und Verlagsvorstellungen. Ich suchte mir als erstes Event den Autor Axel Kruse aus, der aus seinem Buch "Geschichte eines Zeitreisenden" vorlas. Eine wirklich faszinierende Idee, sein Leben mehrfach zu wiederholen und dabei um die alten Existenzen zu wissen. Tommy Krappweis (Bernd das Brot), witzig und amüsant, gab nützliche und praxisrelevante Tipps rund ums Vorlesen. Ganz wichtig: das Mikrofon! Kai Meyer hatte diesen Vortrag leider verpasst. Ich bekam von seiner Lesung "Die Krone der Sterne" nicht allzuviel mit, da der Saal voll war und er es vergessen hatte: das Mikrofon!

Viel Spaß hatte ich am Stand von Autor Bernar Lestone mit von rechts: Autorin C.P. Thomas, Lilith von Seitenhain, gewandet als Schattenkönig aus Walter Moers "Stadt der träumenden Bücher", Adam Kraska von Seitenhain, meine Wenigkeit als Underworldverschnitt und, natürlich, Bernar.

Um 19 Uhr wurden die Deutschen Phantastik Preise verliehen und beendeten einen wunderbaren Tag.

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Von Menschen und Monstern

Das erste Event des Tages war der Wake up Slam von Arte mit den Slam Poeten Jey Jey Glünderling und Anna Rau, beide aus Frankfurt. Jey Jey beschrieb, wie bereits in der Kindheit die Vorliebe für gewisse Süßigkeiten die Kleinsten in Gewinner und Loser teilte. Sein zweiter Slam beschwor die Vor- und Nachteile einer Reise als Backpacker. Anna Rau zog Paralellen zwische einem verlorenen Weihnachten von 1941 und dem Verlust einer Liebe heute. Ihr zweiter Text beschrieb in poetischen Bilder, wie das Aussortieren von Bücher und Kleidern beim Loslassen eines Exfreundes helfen kann. Oder auch nicht. Die Texte der beiden Poeten waren ein guter Auftakt für den Tag. 

Mit der bibliophil gewandeten Bloggerin Lilith von Seitenhain.de, der Lyrikerin Franziska von Schleyen und dem Autor Uwe K. Alexi ging es zu Denis Scheck, der mit Druckfrisch eine der unterhaltsamsten Sendungen im TV gestaltet. Die Bücher-Bestsellerlisten sind für ihn eine Warnung, dass es sich hierbei um abgeschmackte Trivialliteratur handelt. Wie recht der Mann doch hat! Es ist ein Vergnügen, dass es immer noch Menschen gibt, die gegen den Mainstream ankämpfen und ein Glück, wenn sie dafür einen Sendeplatz im Fernsehen erhalten. Dafür komme ich gerne übermüdet zur Arbeit... Denis Scheck war amüsant wie immer, als er die "aggressive Bildungsvulgarität" einer Katzenberger monierte, die im "Vollbesitz des eigenen Wahns" die Buchliste erklimmt. Mit der "Kordanzughaftigkeit" eines Bodo Kirchhoff und dem Buchpreisgewinn seines Romans Widerfahrnis war er nicht einverstanden. Sein persönlicher Favorit ist Christof Ranzmaier, der darauf bestand, seinen Roman "Cox oder der Lauf der Zeit" erst nach der FBM zu veröffentlichen.

 

Das man es als mehr oder weniger unbekannter

Autor/Lyriker/Blogger/Verleger etc. auf der Buchmesse nicht einfach hat, weiß jeder, der dort versucht, seinen Bekanntsheitsgrad zu erhöhen. Man läuft Gefahr, von alten Dinosauriern einfach gefressen zu werden ....

... oder man ist gezwungen, gegen die anderen Krokodile im viel zu kleinen Teich zu kämpfen. Einer, der es geschafft hat, ist Meddi Müller, Mitglied der Autoren RheinMain Szene und Verleger des Charles-Verlag, der es mit einem Specialdeal geschafft hat, einen Stand auf der FBM zu erringen und diese Chance für sich und seine Autoren genutzt hat. Seine Geschichte wurde sogar in der hessenschau gezeigt. Wir gönnens dir von Herzen, lieber Meddi, auch wenn wir in schwachen Stunden total neidisch sind.

Die Stiftung Buchkunst sorgte mit einer Überraschungstüte, erwerbbar für nur 5 Euro, für Freude. Kunstbücher, Romane, Gedichtbände boten Unterhaltung und Lesevergnügen. Fühli, der Gefühlsstuhl, der den inneren Gemütszustand zu Tage brachte, wurde für Probanden, die sich dem Wissenschaftler freiwillig für Experimente zur Verfügung stellten, mit einem Gin belohnt.

Na denn Prost!Auf die Frankfurter Buchmesse 2016, deren Besuch sich wieder einmal voll gelohnt hat. Und vielen Dank an die Veranstalter, die mir mit einer Bloggerfreikarte meinen ersten Messebesuch an den Fachbesuchertagen ermöglicht haben.

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