Veröffentlichungen

2015

ISBN 978-3-944153-13-1

Taitinger

Danke, Steffen H.


Das Auto röhrt den Berg hinauf und bleibt mit einem Röcheln stehen. Ein Mann steigt aus und entnimmt ein Pappkiste mit schrumpeligen Kohlrabi, schwarz-braunen Bananen und einem matschigen Salatkopf. Er erklimmt die Stufen vor der Haustür und keucht dabei leise.


Taitinger beobachtet den Mann durch das Fenster. Seine Frau steht neben ihm.

"Oh nein, nicht schon wieder!", sagt sie.

2009

ISBN 978-3837022629

Nachtmär

für G.B.

 

Sie kauerte am Rande ihres Bewusstseins, eine ängstliche Schnecke vor dem Verlassen ihres Gehäuses. Wie Fühler sondierten ihre Sinne die Lage. Rascheln von Haut in Kleidern. Gemurmel. Ein helles Biep, vage bekannt. An- und abschwellendes Zischen. Schmerz, der mit dem Zischen an- und abschwoll. Schmerzen überall. Ihr Kopf in einem Schraubstock. Ihre Hand umklammert von etwas Rauem, Hartem: vertraut, unerwünscht, viel zu fest.

Sie atmete ein und zuckte mit den Fingern.

Sofort brach die Hölle los.


 

 

2006

ISBN 978-3797310286

Der nächtliche Mann

 

Der Mann im feinen Zwirn rannte durch die Schatten, die von den hohen Häusern auf die Straße geworfen wurden. Sein blaues Hemd klebte in dunklen, unschönen Flecken an seinem Körper und die aufgeweichten Bügelfalten seiner Hose hatten schon schärfere Zeiten gesehen. Er rannte vorbei an Menschen, die ihm verwunderte Blicke hinterher warfen, vorbei an Geschäften und Straßencafés, und haarscharf vorbei an einem Omnibus. Er blieb schwer atmend an einer Straßengabelung stehen. Der linke Weg mündete in einer Sackgasse. Er entschied sich für die rechte Abzweigung.

Sie lag im Sonnenschein.


2005

ISBN 978-3797309860

Wünsch dir was

 

„Wenn sie noch einen Blick auf den Dachboden werfen wollen?“

Auf ihren Acht-Zentimeter-Absätzen schritt die Maklerin zur Treppe, die nach oben führte. Ihre preisverdächtigen Beine, auf das dürftigste von einem Designerfähnchen verhüllt, erkletterten die Stufen, als trüge sie Turnschuhe. Ich hörte, wie der Atem des Mannes, der mir vor Gott ewige Treue geschworen hatte, im Angesicht dieser Pracht ins stolpern kam. Was ihn nicht davon abhielt, hinter der Dame her zu hecheln. Von unten sah ich, wie die Frau die Tür, die ein wenig klemmte, mit Mühe öffnete, was mein Gatte nicht mitbekam. Sein Blick hatte etwas glubschäugiges, als habe er soeben den Heiligen Gral in Form zweier alabasterfarbener Säulen entdeckt.

 

Kommentare: 0